Hallo,
ich suche Austausch zum Thema Entfremdung, Manipulation, Macht, oppositionelles Verhalten.
Wir leben seit 2+Jahren getrennt und leb(t)en seitdem im Wechselmodell. Meine Söhne sind 6 und 8 Jahre. Ich (Mutter) bin ausgezogen, weil der Vater sich weigerte und ich meine Kinder schützen wollte. Beratungsstelle(n) und Jugendamt sind involviert, aber es tut sich wenig bis nichts.
Praktisch sieht es im Moment so aus, dass ich mit starkem Widerstand der Kinder zu tun habe. Der Große rennt regelmäßig zum Vater, verweigert jegliche Kooperation. Meine Befürchtung ist, dass der Kleine nachzieht. Wir kommen überhaupt nicht zur Ruhe. Wenn wir verreist sind, entspannt sich die Lage und wir haben eine bessere Zeit.
Gibt es hier jemanden mit ähnlichen Erfahrungen? Gibt es Anlaufstellen genau zu dem Thema?
Danke und viele Grüße
Andrea
Guten Morgen Böhme,
vielen Dank für Ihren offenen und intensiven Beitrag.
Es ist wichtig, solche Themen zu erörtern, da sie oft schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen haben - und wie ich lese, ist das bei Ihnen auch der Fall. Ich kann nachvollziehen, dass Sie viel durchgemacht haben und, dass Sie sich dabei hilflos und allein gelassen fühlen.
Es ist jedoch auch entscheidend, die Vielfalt der Erfahrungen zu berücksichtigen.
Während es stimmt, dass Entfremdung und Manipulation in Eltern-Kind-Beziehungen ernsthafte Probleme darstellen können, gibt es auch viele Eltern, die in schwierigen Trennungen eine konstruktive und unterstützende Rolle spielen. Nicht alle Trennungen führen zu psychischer Gewalt oder Manipulation, und viele Familien schaffen es, ihre Herausforderungen auf gesunde Weise zu bewältigen.
Zudem sollten wir m.E. vorsichtig sein, Stereotypen über bestimmte Persönlichkeitsstrukturen oder Verhaltensweisen zu fördern.
Jeder Mensch ist einzigartig, und es gibt viele Faktoren, die zu Konflikten in Beziehungen beitragen können.
Die von Ihnen angesprochene Kritik an der Gesellschaft und den Gerichten ist sehr relevant, da sie auf die Herausforderungen hinweist, denen viele Familien gegenüberstehen. Es ist frustrierend zu sehen, dass in einigen Fällen das System nicht ausreichend greift, um das Wohl der Kinder zu schützen. Dennoch sollten wir auch bedenken, dass Entscheidungen der Gerichte oder sozialen Institutionen nicht leichtfertig getroffen werden. Oft stehen sie vor komplexen Situationen, in denen es um das Wohl der Kinder und die Rechte beider Elternteile geht.
Wie könnten wir als Gesellschaft besser unterstützen, um solche Situationen zu vermeiden und eine gesunde Kommunikation zwischen Eltern und Kindern fördern?
Wie kann sichergestellt werden, dass sowohl die individuellen Bedürfnisse der Familien als auch die gesellschaftlichen Anforderungen an die Justiz in Einklang gebracht werden?
Ich lasse diese Fragen hier im Forum und bedanke mich noch einmal, dass Sie Ihre Gedanken und Erfahrungen zu diesem wichtigen Thema geteilt haben.
Viele Grüße.
bke-Fritzi-Falk
Ich kenne bislang nur Väter, die davon betroffen sind. Oder inzwischen erwachsene Kinder, die von ihrer Mutter entfremdet worden sind. Kann mir aber gut vorstellen, dass es das auch umgekehrt gibt.
Weil ich selbst davon betroffen bin, habe ich vor etwa drei Jahren angefangen zum Thema zu recherchieren.
Aus heutiger Sicht muss ich sagen, das ich das komplett unterschätzt habe, wie viele Menschen einen seelischen Rucksack mit sich herum tragen. Wie viele Menschen in irgendeiner einer Weise misshandelt worden sind, seelisch krank sind oder zum Psychologen gehen.
Wie funktioniert Entfremdung?
Die einfachste Formen liegen in der Verleumdung und Verächtlichmachung des anderen Elternteils. Das Kind will eigentlich beide Eltern lieben aber durch diese ständige Abwertung gerät das Kind in eine kognitive Dissonanz. Es ist im Prinzip eine pawlowsche Konditionierung.
Und das führt dann eben dazu, das sich das Kind irgendwann entscheidet einen Elternteil aufzugeben um dieses unangenehme Gefühl loszuwerden.
Natürlich ist das ein bewusster Missbrauch mit oft lebenslangen Folgen. Gerichte und Jugendämter schreiten bei Kindesmisshandlung grundsätzlich nicht ein. Im Gegenteil.
In dem Der Staat die finanzielle Existenzsicherung an den weniger betreuuenden Elternteil auslagert, befördert er in massiver Weise psychische Gewalt gegen Kinder und Trennungspartner.
Natürlich muss das nicht bei jeder Trennung so sein. Eltern die halbwegs normal im Kopf sind, tun so etwas nicht. Im Prinzip kann man immer davon ausgehen dass ein Elternteil der sein Kind entfremdet, das absichtlich tut und dass er eine Persönlichkeitsstörung hat. Ein Gericht nur das tabuisiert. Laut WHO sind es 10 bis 12% der Bevölkerung. (Das ist nur der Teil der im Leben gar nicht mehr klarkommt). Gesund sind maximal ein Drittel der Bevölkerung.
Das Kind oder auch der Trennungspartner hat für diesen Elternteil immer eine komplementäre Rolle.
Das gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen:
Borderliner haben Angst verlassen zu werden, nicht mehr geliebt zu werden. Sie suchen im Grunde nach Beziehungsstabilität aber auch sehr destruktive weise.
Das Kind ist gewissermaßen ein Garant für Liebe, aber das Kind kann von seiner Mutter oder Vater keine Stabilität erwarten.
Histrioniker fühlen sich einsam. Sie verhalten sich extrem aufdringlich. Wenn man sich mit ihnen unterhält hat man das Gefühl dass sie überhaupt nicht zuhören. Wenn zwei davon zusammenkommen dann können Sie über Stunden Monologe miteinander führen. Das Kind hat gewissermaßen die Rolle dem Elternteil Aufmerksamkeit zu schenken statt umgekehrt.
Narzissten fühlen sich ohnmächtig und unzulänglich. Deshalb suchen sie nach Macht und nach Aufwertung. Kinder werden dadurch oft zum Machtinstrument gegen den Trennungspartner. Und sie werden auch zum Instrument mit dem der Elternteil sich selbst aufwerten kann. "Schaut her, was mein Kind alles kann! Das ist meine gute Erziehung/Dressur". Wenn das Kind jedoch nicht funktioniert dann wird es schnell abgewertet. Und eine neue Generation von Narzissten wächst daran.
Die gefährlichste Persönlichkeitsstörung und gleichzeitig die Unsichtbarste, das sind jedoch die Psychopathen. Davon gibt es etwa 800.000 in Deutschland. Etwa ein Prozent der Bevölkerung. Dissoziale Persönlichkeitsstörung bedeutet, dass jemand immer das Gefühl hat ungerecht behandelt zu werden auch wenn es dafür überhaupt keinen Anlass gibt. Sie leben parasitär, sind hochmanipulativ, sehr charmant. Und extrem Empathie und Rücksichtslos. Sowohl das Kind als auch der Trennungspartner sind Werkzeuge. Wenn sich das Kind oder der Trennungspartner nicht mehr ausnutzen lässt, fügt man ihnen absichtlich Ungerechtigkeit und Schaden zu. Das Kind zu entfremden verfolgt einzig und allein den Zweck Ungerechtigkeit zu schaffen um den anderen zu quälen. In dem Psychopathen anderen Menschen Ungerechtigkeit und Schaden zufügen, fühlen Sie sich selbst für einen Moment weniger ungerecht behandelt. Da muss man etwas um die Ecke denken weil das ziemlich krank ist.
Unsere Gesellschaft ist hochgradig krank und die Ursache dafür ist dass der Staat im Prinzip dabei zuschaut. Die Verfassung schützt zumindest in der Theorie nur die körperliche Unversehrtheit. Die seelische Unversehrtheit spielt keine Rolle. Der Psychotherapiebedarf bei Kindern und Jugendlichen ist doppelt so hoch wie das tatsächliche Angebot.
Politisch hat sich in den letzten 50 Jahren nichts bewegt also wird das auch die nächsten 50 Jahre so bleiben.
Ich kämpfe jetzt seit drei Jahren vor Gerichten. Es hat mich jetzt fast eine sechsstellige Summe gekostet. Und das obwohl das Jugendamt der verfahrensbeistand und der gesamte Familienkomplex hinter mir steht. Beruflich mache ich ja kritische Infrastruktur und der tatsächliche volkswirtschaftliche Schaden ist um ein Vielfaches höher.
Würden Gerichte ihren Job machen, wäre meine Tochter noch psychisch gesund. Meine Ex wäre schon mehrfach im Gefängnis - nicht nur wegen der Kindesmisshandlung.
Ich habe in letzten drei Jahren auch mit vielen Psychologen und Sozialpädagogen gesprochen. Und auch viele Menschen die selbst auf diese Art und Weise misshandelt wurden (Als Kind). Manchmal ist es auch der Suizid eines Elternteils in so einer Situation der ganze Familienkomplexe zerreißt und die Zukunft eines Kindes bereits zerstört bevor sie beginnt.
Ich habe bestimmt mit über 200 Menschen gesprochen in den letzten drei Jahren über genau solche Themen. Meine eigene Geschichte war da wie ein Schlüssel zum Eingangstor in die Schmieden von Isengard.
Aber ein Hobbit wird nicht kommen.
Guten Tag Andrea,
auch von mir ein herzliches Willkommen im Elternforum der bke-Onlineberatung! Mein Nickname ist bke-Tom-Sommerwind, ich bin ebenfalls Teil des Moderator*innen-Teams.
Zu IhrerFrage möchte ich noch zwei Programme ergänzen, die sich in der Praxis bewährt haben:
1. TSK – Trennungs- und Scheidungskinder (nach Fthenakis u.a.)
Das ist ein Gruppenangebot für Kinder, deren Eltern getrennt leben. In kleinen Gruppen treffen sich Kinder mit ähnlichen Erfahrungen. Sie lernen, über ihre Gefühle zu sprechen, erleben, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein sind, und bekommen Unterstützung, um mit der Trennung besser umzugehen. Die Gruppen werden von erfahrenen Fachkräften geleitet und bieten einen geschützten Rahmen, in dem die Kinder gestärkt werden.
2. „Kinder aus der Klemme“
Dieses Programm richtet sich an Familien, in denen die Trennung besonders konfliktbelastet ist. Ziel ist es, die Kinder aus dem „Streit der Eltern“ herauszuholen und ihnen wieder mehr Sicherheit zu geben. Die Eltern arbeiten gemeinsam daran, neue Wege im Umgang miteinander zu finden, während die Kinder in einer eigenen Gruppe ihre Erlebnisse teilen und Unterstützung bekommen.
Beide Programme werden in vielen Städten von Beratungsstellen oder Jugendämtern angeboten. Sie können helfen, die Situation für Kinder und Eltern zu entlasten und neue Perspektiven zu eröffnen.
Vielleicht ist das ja eine Anregung für Sie oder andere Mitlesende.
Viele Grüße
bke-Tom-Sommerwind
Hallo, Danke für die Rückmeldung.
Den Kurs "Kinder im Blick" haben wir beide besucht.
Kennt jemand Beratungsstellen oder Coachings, auch gegen Bezahlung?
Die Zeit verstreicht, die Verbindung zu meinen Jungs wird immer brüchiger und es tut sich nichts.
Danke.
Hallo und guten Morgen,
herzlich Willkommen im Elternforum der bke-Onlineberatung. Mein Nickname ist bke-Fritzi-Falk. Ich bin eine der Moderator*innen im Forumsteam.
Vielen Dank, dass Sie Ihre Gedanken und Erfahrungen zu diesem wichtigen Thema teilen.
Es ist verständlich, dass die Herausforderungen, die mit Entfremdung und oppositionellem Verhalten einhergehen, sehr belastend sind. Viele Eltern stehen vor ähnlichen Situationen.
Mir fällt als Anlaufstelle spontan der Kurs "Kinder im Blick" ein, den ich wärmstens empfehlen kann. Dieser ist explizit für Eltern in Trennung konzipiert. Er bietet wertvolle Einblicke und Strategien, um das Verhalten von Kindern in Trennungssituationen besser zu verstehen und zu unterstützen.
Er wird in Präsenz angeboten, aber mittlerweile auch Online.
Ich möchte aber auch in die Runde fragen, welche Strategien den erfahrenen Eltern geholfen haben? Welche Ressource und Unterstützung wurden als besonders hilfreich empfunden?
Ihre Perspektiven und Tipps sind sicherlich für alle hilfreich.
Viele Grüße.
bke-Fritzi-Falk